Flora und Fauna Griechenlands

Λυγαριά – Mönchspfeffer in Griechenland: Ein uraltes Heilmittel

21. Juli 2020

Kaum ein Besucher Griechenlands kam noch nicht am Mönchspfeffer vorbei, denn Vitex agnus-castus, wie ihn Botaniker bezeichnen, gedeiht am liebsten in Strandnähe. Der Mönchspfeffer gehört zu den Lippenblütlern (Lamiaceae) und ist in Griechenland weit verbreitet. Sein griechischer Name λυγαριά bezieht sich auf seine zähen, biegsamen Zweige. Grundsätzlich ist der Keuschlamm, wie man den Strauch auch im Volksmund nennt, rund um das Mittelmeer bis hin zur Krim beheimatet. Er ist nicht nur wegen seiner herrlichen weißen bis blau, rosa und violetten Blütenstände schön anzusehen, sondern dient in der Naturheilkunde und Phytotherapie als natürliches Heilmittel, insbesondere gegen Frauenleiden.


Der Mönchspfeffer als Heilpflanze

Vitex agnus castus ist besonders als Heilmittel bei Frauenleiden bekannt. So kann der Mönchspfeffer unterstützend und heilend bei folgende Leiden helfen:

  • PMS (Prämenstruelles Syndrom)
  • Reizbarkeit und Unruhe
  • Mastodynie (Empfindlichkeit der Brüste)
  • Menstruationsstörungen
  • Hormonstörungen (bei Mann und Frau)
  • Unfruchtbarkeit
  • Blähungen
  • Depressionen


Der Mönchspfeffer ist somit einsetzbar als:

  • Anaphrodisiakum zur Unterdrückung der Libido bei Mann und Frau
  • Stabilisator bei unregelmäßigem Zyklus
  • Regulierer des Hormonhaushaltes


Wie wirkt der Mönchspfeffer?

Die Früchte des Mönchspfeffers (Agnus castus fructus) enthalten unter anderem wirkame Inhaltsstoffe wie Iridoidglykoside, bizyklische Diterpene, Triglyceride, ätherische Öle, Linolsäure, Ölsäure und lipophile Flavonoide. Diese Komponenten können den Progesteronspiegel ansteigen lassen, weshalb das Auftreten des Prämenstruellen Syndroms abgeschwächt werden kann. Zudem fördert der Mönchspfeffer die Bildung des Gelbkörperhormons, was bei vorliegender Gelbkörperschwäche und Unfruchtbarkeit sich positiv auf die Fruchtbarkeit auswirken kann. Insgesamt gilt der Mönchspfeffer als Regulator und Heilmittel bei Frauenleiden, obwohl auch Männer von den Früchten profitieren können. Auch der Hormonhaushalt von Männern kann postiv durch den Mönchspfeffer beeinflusst werden.


Der Keuschlamm in der Geschichte

Bereits in der Antike wusste man um die heilende Wirkung des Mönchspfeffers. In Pausanias 3.14 wird geschildert, dass der Gott der Heilkunst Asklepios (Ἀσκληπιός) in Sparta den Beinamen „agnitas“ (der Keusche) trug, da dort sein Abbild aus dem Holz des Mönchspeffers gefertigt wurde. Zu Ehren der Fruchtsbarkeitsgöttin Demeter (θεά Δήμητρα) wurde an den Thesmophorien der Keuschlamm von den Frauen als Lager genutzt, um ihre Keuschheit zu bewahren (Dioskurides 1.134).

Τα Θεσμοφόρια – ein uraltes Fest, an dem ausschließlich Frauen teilnehmen durften. In Athen dauerte das Fest drei Tage. Die Frauen versammelten sich während der Feier im Heiligtum von Demeter. Sie konnten ihre Kinder mitbringen, wenn diese noch gestillt wurden. Die Ehegatten waren verpflichtet, nicht nur ihre Zustimmung zur Teilnahme der Ehefrauen an der Feier zu erteilen, sondern auch die vorgeschriebenen Kosten zu tragen. Die Teilnahme von Jungfrauen war bei den Thesmophorien nicht erlaubt. (Quelle: ime.gr)

Die alten Griechen nutzten die Pflanze zur Abwehr von Gefahren. Im Mittelalter galten die schwarz-roten Früchte als Symbol der Enthaltsamkeit bei Mönchen. Der italienische Botaniker und Arzt Pietro Andrea Gregorio Mattioli beschrieb, dass nicht nur die Beeren, sondern auch die Blätter und Blumen des Mönchspfeffers lusthemmend in Anspielung auf die Libido seien. Dabei solle man sie nicht nur essen, sondern auch auf dem Bett verteilen.


Der Vitexstrauch in der griechischen Mythologie

In der griechischen Mythologie findet der Mönchspfeffer ebenso großen Anklang. Prometheus, der durch den Kentauren Chiron von seiner Fesselung durch Zeus erlöst wurde, setzte sich einen Kranz aus den Zweigen des Mönchspfeffers zur Erinnerung an seine Fesselung auf den Kopf (Athenaeus 15.647; 673). Das Holz des Keuschlamms war schon damals als besonders biegsam bekannt. So fesselte auch Achilles in den Wäldern des Ida die Söhne des Priamos mit den Zweigen des Mönchspfeffers, wie Homer beschrieb (Homer I1.11.105). Die Gefährten des Odysseus wurden in der Höhle des einäugigen Polyphem unter den Bäuchen der Schafe ebenso mit Mönchspfefferruten festgebunden (Homer Od. 9.427). Unter einem Vitexstrauch wurde die Göttin der Ehe, Hera, geboren. Interessant ist auch, dass der Mönchspfefferstrauch vor dem Hera-Tempel auf Samos zusammen mit der Eiche des Zeus in Dodona zu den ältesten Bäumen zur Zeit des Pausanias gehörte (Pausanias 8.23.5).

Demetertempel in Sangrí auf Naxos – Ναός Θεάς Δήμητρας


Wo kann man den Mönchspfeffer in Griechenland finden?

Der Mönchspfeffer wächst als Strauch in Strandnähe in ganz Griechenland. Auch an Wasserläufen ist er oft zu finden. Im Oktober können die Früchte der Pflanze geerntet werden.


Wie kann man den Mönchspfeffer verwenden?

Am besten eignet sich eine Verwendung als Pfefferersatz. Die Früchte haben einen pfeffrigen Geschmack, wobei dieser jedoch nicht ganz so stark wie bei der richtigen Pfefferpflanze ausgeprägt ist. So eignet sich der Mönchspfeffer bestens als Würzmittel für Salate, Fisch- und Fleischzubereitungen sowie in Suppen und Eintöpfen.



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Zur Autorin: Sandra Mwamba ist in Deutschland geboren, aber im Mittelmeerraum, insbesondere auf Naxos, zuhause. Sie hat ihre Leidenschaft, das Schreiben, zu ihrem Beruf gemacht.



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1 Comment

  • Reply Anonymous 31. Juli 2020 at 14:39

    Toller Beitrag 👍

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